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Grundwasserbelastung in der Kreisstadt Groß-Gerau



Vergrößerung

In der Kreisstadt Groß-Gerau liegt eine seit mehreren Jahren bekannte Grundwasserbelastung mit organischen Lösungsmitteln (LHKW) aus ehemaligen gewerblichen Nutzungen vor.
(LHKW = Leichtflüchtige halegonierte Kohlenwasserstoffe. Stoffe, die in der Vergangenheit u. a. zum Entfetten von Metallen oder in Chemischen Reinigungen genutzt wurden und als möglicherweise krebserregend gilt)
Hiervon betroffen sind insbesondere die Innenstadtbereiche Adolf-Göbel-Straße, August Bebel-Straße, Schulstraße, Burggraben, Oppenheimer Straße etc.

Die Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt beim RP-Darmstadt und die Untere Wasserbehörde des Kreises Groß-Gerau haben in einer amtlichen Bekanntmachung den Grundwasserschaden erneut wieder angezeigt und am 29. Mai 2019 im Rahmen einer Pressekonferenz noch einmal ausführlich informiert. Mit dabei waren Werner Görisch und Peter Brinkmann (Dezernat Bodenschutz bei der Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt beim RP-Darmstadt), Elke Grimm (Leiterin des Fachdienstes Naturschutz, Wasser- und Bodenschutz, Kreis Groß-Gerau), Dr. med. Angela Carstens (Amtsärztin und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz, Kreis Groß-Gerau), Dr. Christian Schulze (Veterinärdirektor Kreis Groß-Gerau), Erhard Walther (Bürgermeister Groß-Gerau) und Walter Astheimer (Erster Kreisbeigeordneter im Kreis Groß-Gerau).

Verunreinigungen
Die Verunreinigungen haben zunächst keine schädlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung, da das gesamte Stadtgebiet an das öffentliche Trinkwassernetz (geschlossenes System) angeschlossen ist. Nutzungseinschränkungen gibt es für Brunnenbesitzer in bestimmten Bereichen. Sofern Grundwasser zu Brauchzwecken, aus nach dem Hessischen Wassergesetz anzeigepflichtigen Gartenbrunnen entnommen wird, sind folgende Nutzungseinschränkungen zu beachten:
- Es soll kein Grundwasser zu Trinkwasserzwecken genutzt werden.
- Auch soll das Grundwasser nicht zum Zwecke der Gartenbewässerung genutzt werden, wenn es sich hierbei um Pflanzen handelt, die der Nahrungsaufnahme dienen.
- Sträucher, Bäume, Rasenflächen, Rabatte etc. können dagegen bedenkenlos mit dem Grundwasser bewässert werden.

Übersichtskarte
LHKW-Fahne Groß-Gerau
-> Karte

Kostenlose Beprobung von Gartenbrunnen im betroffenen Bereich
Der Kreis Groß-Gerau und die Kreisstadt Groß-Gerau bieten an, die Brunnen in dem betroffenen Bereich kostenlos für die Nutzer zu beproben.


FAQs zu Grundwasserverunreinigungen in Groß-Gerau (Quelle Amtliche Bekanntmachungen - Detail Regierungspräsidium Darmstadt - Aufgestellt Brinkmann und Görisch, 26.04.19)

Um welche Schadstoffe handelt es sich im Grundwasser?
Es handelt sich um sog. LHKW (Leichtflüchtige halegonierte Kohlenwasserstoffe), wie sie in der Vergangenheit u. a. zum Entfetten von Metallen oder in Chemischen Reinigungen eingesetzt worden sind.

Wer ist verantwortlich?
Hauptverursacher, neben weiteren Quellen, für die Verunreinigung des Grundwassers ist die ehem. Firma Fagro. Die hydraulische Sanierung des Grundwassers im Bereich des FAGRO-Werkes I und im Grundwasserabstrom lief seit den 1990er Jahren. Die Sanierung (Bodenluft und Grundwasser) erfolgte zunächst durch die Grundstückseigentümerin, die Fagro GmbH, ab dem Jahr 2005 durch einen Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter gab im Februar 2008 das Gelände aus der Insolvenzmasse frei, wodurch es in die Verfügungsbefugnis der insolventen Fagro zurückfiel. Gleichzeitig kündigte er den dort tätigen Sanierungsfirmen. Die Sanierungsmaßnahme wurde daher vom Land auf den Träger der Altlastensanierung (HIM GmbH) als Sofortmaßnahme übertragen, denn es lagen damals noch sehr hohe Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser vor. Außerdem konnte die Quelle der Schadstoffe im Boden damals nicht saniert werden, da die alten Werksgebäude noch auf diesen Flächen standen.

Welche weiteren Ursachen für die Verunreinigung sind bekannt?
Im Stadtgebiet von Groß-Gerau kam es in der Vergangenheit durch industrielle und gewerbliche Tätigkeiten zu Schadstoffeinträgen in das Grundwasser. Untersuchungen wiesen für einige schädliche Grundwasserveränderungen Sanierungsbedarf nach. Die derzeit behördlich bekannten Ursachen sind folgende:
• Ehemalige Firma Fagro, Werk I (Hauptverursacher)
• Ehemaliges Autohaus in der Frankfurter Straße (Sanierung ist mittlerweile beendet)'
• Ehem. Chemische Reinigung / ehemaliger metallverarbeitender Betrieb in der Schulstraße (Untersuchungen laufen noch)
Das bedeutet, dass mehrere Schadstofffahnen im Grundwasser zusammenfließen und dass es verschiedene Sanierungspflichtige gibt, die behördlicherseits heranzuziehen waren bzw. sind. Im Falle der ehem. Firma Fagro gibt es keinen Pflichtigen mehr der herangezogen werden kann. Daher ist das Land an diese Stelle getreten. Jeder dieser Pflichtigen ist nur für den von ihm verursachten Schaden heranzuziehen. Es handelt sich also hier nicht um einen einzeln zu betrachtenden Schaden.

Wie groß ist die Ausbreitung?
Durch die jahrzehntelange Grundwasserentnahme der Südzucker AG, Werk Groß-Gerau, wurde die Schadstofffahne breit aufgefächert. Die Schadstofffahne ist heute ca. 1000 m lang und hat eine Breite von ca. 40 – 280 m. Nachgewiesen wurde eine Schadstoffverlagerung bis in eine Tiefe von ca. 30 m unter der Geländeoberkante. Die öffentliche Trinkwasserversorgung ist hiervon nicht betroffen.

Gibt es einen Sanierungserfolg?
Vor Beginn der Grundwassersanierung wurden Belastungen des Grundwassers in einer Größenordnung von mehreren tausend Mikrogramm / Liter (μg/l) gemessen. Nach Abschluss der jahrzehntelangen Sanierung waren bereichsweise noch Konzentrationen im zwei- bzw. in den unteren dreistelligen Bereich hinein nachweisbar. Eine deutliche Reduzierung der Schadstoffkonzentrationen hat nachweislich stattgefunden.
Grundsätzliches: Sanierungsziele oder Grenzwerte sind nicht starr anzuwenden und werden humantoxikologisch bzw. ökotoxikologisch abgeleitet und zusätzlich noch mit sog. Sicherheitszuschlägen abgesichert. Toxikologisch relevant wird es erst bei einer deutlichen und flächigen Überschreitung dieser Werte.

Was passiert mit den im Grundwasser noch vorhanden Schadstoffen?
LHKW (Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe) sind in Abhängigkeit vom hydrochemischen Milieu grundsätzlich gut abbaubar. Der natürliche Prozess der Dechlorierung findet hier prinzipiell statt: Die Schadstoffe sind in ihrer Menge und Konzentration rückläufig. Diese Prozesse laufen autark und sind fortlaufend aktiv.
Auf welche Bereiche von Groß-Gerau breiten sich die Schadstoffe aus?
Insbesondere die Innenstadtbereiche Adolf-Göbel-Straße, August-Bebel-Straße, Schulstraße, Burggraben, Oppenheimer-Straße etc. sind betroffen.

Wurde auch eine Bodensanierung durchgeführt?
Durch die auf der Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zwischen dem Land und der Stadt Groß-Gerau durchgeführten Sanierungsmaßnahmen auf dem ehem. Fagro-Gelände wurden die noch im Boden vorhandenen Lösungsmittel aus der ungesättigten Bodenzone und der obersten Schicht der gesättigten Bodenzone vollständig entfernt. Die Sanierungsmaßnahme wurde 2011 abgeschlossen. Sie kostete ca. 1,2 Mio. €. Der Landesanteil betrug ca. 1/3 davon.

Ist die Bodenluft betroffen? (Eindringen von Schadstoffen in Häuser, Schuppen etc.)
Im Grundwasserabstrom ist lediglich von sehr geringen Belastungen in der Bodenluft auszugehen. Der Grundwasserflurabstand beträgt ca. 5 m u. GOK. Folglich können Ausgasungen in Gebäuden ausgeschlossen werden.

Welche Auswirkungen auf den Menschen gibt es?
Eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ist nur dann zu besorgen, wenn im Bereich der LHKW Fahneeine Grundwasserentnahme von Privatpersonen aus Gartenbrunnen erfolgt und als Trinkwasser bzw. für die Bewässerung von Nutzpflanzen genutzt wird. Daher wurde die Nutzung durch den Kreis Groß-Gerau bereits als bedenklich eingestuft und eingeschränkt. Es gab bereits in der Vergangenheit diesbezügliche Veröffentlichungen in regionalen Tageszeitungen. Eine weitere Veröffentlichung ist für Anfang Mai 2019 vorgesehen.

Können sich die Schadstoffe im Grundwasser nach wie vor ausbreiten?
Die Einschätzung der Gefahrenlage begründet sich insbesondere auf die Erfahrung aus den letzten Sanierungsjahren sowie aus ähnlich gelagerten Grundwasserschäden. Seit den 1990er Jahren bis 2012 fand eine Grundwassersanierung statt. Sie umfasste die Entnahme von belasteten Grundwasser über Sanierungsbrunnen und die Aufbereitung des belasteten Grundwassers. Der Schaden im Grundwasser wurde durch die Errichtung von zahlreichen Grundwassermessstellen vollständig örtlich eingegrenzt.
Eine weitere Ausbreitung im Grundwasserabstrom ist nicht zu erwarten. Diese Einschätzung resultiert insbesondere aus der Tatsache, dass der Schadensherd nämlich der kontaminierte Boden des ehemaligen Fagro Werkes I bereits im Jahr 2011 von der Stadt Groß-Gerau vollständig ausgekoffert worden ist (Dekontamination). Den Erfolg dieser Auswirkung der Bodensanierung auf den Grundwasserschaden belegten die daraufhin festgestellten zurückgehenden Schadstoffkonzentrationen in den Sanierungsbrunnen.
Darüber hinaus wurde ein jahrzehntelanges Grundwassermonitoring durchgeführt, um die Belastungen im Grundwasserleiter belastbar einschätzen zu können.
Neben diesen aktiven Sanierungsmaßnahmen findet auch der natürliche Sanierungsprozess im Grundwasser statt, konkret bedeutet das physikalisch-geochemische und biologische Verdünnungs sowie Abbauprozesse der LCKW während des Transportes im Grundwasserleiter. Dementsprechend stellt sich derzeit die Situation so dar, dass die Schadstoffkonzentrationen stagnieren werden bzw. rückläufig sein werden.

Warum wurde die aktive Sanierung des Grundwassers beendet?
Die aktive Sanierung des Grundwassers wurde nach über 25 Jahren beendet. Die Kosten für mögliche weiterführende Maßnahmen im Grundwasser standen zum Zeitpunkt der Entscheidung außer Verhältnis zu dem damit zu erzielenden Erfolg. Zum einen wurde die Quelle beseitigt und zum anderen wurden die Schadstoffkonzentrationen in dieser Zeit im Grundwasser sehr deutlich reduziert. Um die Grundwassersanierung fortsetzen zu können, müssten Investitionen von mehreren hunderttausend bis über eine Mio. Euro getätigt werden. Zum einen müssten neue Sanierungsanlagen und Sanierungsbrunnen gebaut werden und zum anderen müsste mit einer unabsehbar langen Restsanierungsdauer von bis zu mehreren Jahrzehnten gerechnet werden. Vor dem Hintergrund, dass die Restbelastungen im Grundwasser für den Menschen unter Beachtung der ausgesprochenen Nutzungseinschränkungen nicht gefährlich sind, steht eine weitergehende sehr lange und sehr teure Grundwassersanierung nicht im Verhältnis zu den damit möglicherweise erreichbaren Restbelastungen.

Ist das Grundwasser nicht schützenswert?
Grundsätzlich ist das Grundwasser schützenswert. Eine gesteigerte Schutzbedürftigkeit des Grundwassers liegt in diesem Bereich von Groß-Gerau nicht vor. Grund hierfür ist, dass der Bereich mit der LCKW-Schadstofffahne sich weder in einem Einzugsgebiet von Trinkwassergewinnungsanlagen für die öffentliche Versorgung, noch in einem festgesetzten Trinkwasserschutzgebiet befindet. Auch gibt es keine etwaigen Planungen für ein solches Schutzgebiet.

Was soll zukünftig beachtet werden?
Die Verunreinigungen im Grundwasser haben keinerlei schädliche Auswirkungen auf die Bevölkerung, da das gesamte Stadtgebiet an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen ist.
Sofern Grundwasser zu Brauchwasserzwecken aus Gartenbrunnen entnommen wird, sind folgende Nutzungseinschränkungen zu beachten:
Es soll kein Grundwasser zu Trinkwasserzwecken genutzt werden. Auch soll Grundwasser nicht zum Zwecke der Gartenbewässerung genutzt werden, wenn es sich hierbei um Pflanzen handelt, die der Nahrungsaufnahme dienen (Nutzpflanzen). Sträucher, Bäume, Rasenflächen, Rabatte etc. können dagegen bedenkenlos mit dem Grundwasser bewässert werden.
Die Information der betroffenen Bürger über diese Nutzungseinschränkungen ist gesetzlich gewährleistet. So ist bei Grundwasserentnahmen über Gartenbrunnen zur Bewässerung des Hausgartens die Anzeigepflicht nach § 29 Hessisches Wassergesetz zu beachten. D.h. eine solche Nutzung ist dem Landkreis GG als hierfür zuständige Untere Wasserbehörde vorher anzuzeigen.


Brunnenbesitzer können sich an die Untere Wasserbehörde des Kreises Groß-Gerau, Tel.: 06152-989-179 wenden. Ansprechpartnerin ist Frau Veronika Ahrens.

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