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Bunker in Rüsselsheim

In Rüsselsheim wurden während des Zweiten Weltkrieges zwei Bunker gebaut. Beide befinden sich auf dem Werksgelände der Adam Opel AG. Seit die Firma Autowerk AG Teile des ursprünglichen Opel-Geländes übernommen hat, ist der Bunker mit der Bezeichnung "D 20"
(Gebäudenummerierung der Adam Opel AG) im Rahmen von Führungen zugänglich. Der Bunker befindet sich unweit des alten Hauptportals in der Nähe des Bahnhofs. Der zweite baugleiche Bunker befindet an der Weisenauer Straße und kann nicht besichtigt werden.

Kriegsproduktion
Opel Rüsselsheim galt als "kriegswichtiger Betrieb". Wegen des Abzugs der Belegschaft zur Wehrmacht und wegen des Stopps der Fabrikation ziviler Autos wurden ab September 1939 Teile für die Flugzeugwerke Junkers und für Torpedos gebaut.
(Der Militärlastwagen "Opel Blitz" wird in Brandenburg in einem neuen Werk gebaut). Ab 1942 beschäftigt Opel auch Zwangsarbeiter.

Hochbunker
Außerhalb Deutschlands gab es vor oder während des Zweiten Weltkrieges keine Hochbunker. Die Nazis wollten dem Feind aus der Luft seine "Trutzburgen" zeigen und diesem sogar entgegenbauen. Die Bunker dienten somit auch der Propaganda und sollten ein Symbol des Widerstandes sein.

Luftschutzbunker "LSB 1400"
Bei dem Hochbunker, der in den Jahren 1943 und 1944 gebaut wurde, handelt es sich um einen ursprünglich für die Kriegsmarine konzipierten Luftschutzbunker vom Typ "LSB 1400", der 1400 Personen Schutz bot. Die Seiten des viergeschossigen und halb unterkellerten Gebäudes sind 2 Meter breit. Die Dachbewehrung ist (dachmittig) 4,45 Meter dick. Im Gegensatz zu anderen Bunkern gleichen Typs weist dieser keinen Turm zur Belüftung auf dem Dach auf. Diese erfolgte über seitlich gelegene Schächte. Der Bunker hat sechs Ein- und Ausgänge. Im Inneren sind breit angelegte Treppenauf- und -abgänge. Menschen die Schutz suchten, mussten schnell in das Innere des Gebäudes gelangen. Umgekehrt sollte der Bunker auch schnell wieder geleert werden können.
In den Eingangsbereichen waren Kontrollstellen eingerichtet. Hinter den Eingängen zweigten die Gänge fast rechtwinklig ab. Dies sollte verhindern, dass Druckwellen von Explosionen und Granat- oder Bombensplitter ins Innere gelangen. Ebenerdig sind im Boden Wannen eingelassen. In diesen sollten sich Giftgase sammeln (Giftgas wurde, im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg nicht eingesetzt).
Die Kosten für den Bau beider Bunker betrugen 1,8 Millionen Reichsmark.

Der Raum in den Luftschutzbunkern war dem hochqualifizierten Personal der Opel AG vorbehalten und diente somit der "Rohstoffsicherung", wie es damals hieß. Doch die zur Verfügung stehenden 2800 Plätze in den beiden Bunkern reichten bei weitem nicht aus. In den Eingangsbereichen der Bunker wurden Kontrollen durchgeführt. Gelegentlich durften aber auch Frauen mit Kindern in den Schutzraum. Die bei Opel eingesetzten Zwangsarbeiter erhielten keinen Zutritt.
Wie Zeitzeugen berichten, sollen sich bei Fliegeralarm bis zu 2.000 Personen in jedem der Bunker aufgehalten haben.

Bombenkrieg in Rüsselsheim
Rüsselsheim mit dem Opel-Werk war seit 1943 gezielten Bomberangriffen ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten etwa 20.000 Menschen im Werk. In der Stadt lebten etwa 15.000 Menschen. Bei Bombenabwürfen starben 428 Menschen, darunter über 200 Fremdarbeiter. Etwa 3000 Gebäude wurden beschädigt, von denen 50% abgerissen werden mussten.

Filmkulisse
Im November 2010 war der Bunker Kulisse für Dreharbeiten zum Science-Fiction-Film "Iron Sky". Ein Teil der Einbauten verblieb an Ort und Stelle (siehe letztes Foto rechts)

Nutzung nach dem Krieg
Mit der Aufnahme der Produktion nach dem Weltkrieg wurden die Räume der Bunker von der Opel AG als Lagerfläche genutzt.


Hinweisschild auf Trinkwasser
Wasserpumpe im unterirdischen Bereich
Luftfilter für Atemluft
Frischluftzufuhr, abriegelbar bei Angriffen
Hochbunker, Außenansicht 2012
Plan  des Werftbunkers LSB 1400
Auslöser für die Notsirene im Werk
Luftschutz-Verbandkasten
Unteririscher Gang in drei Metern Tiefe Treppenabgang
Volksgasmaske Treppenaufgang
Aufenthaltsraum. Noch gut erkennen  sind die Konturen der Bänke, auf der die Menschen Rücken an Rücken saßen.
Kein Originalteil: Filmkulisse

Bunker heute
Das düstere Zeugnis einer schrecklichen Vergangenheit.
Es ist ein beklemmendes Gefühl, den Bunker zu betreten, durch die Gänge und Räume mit dem trostlosen Grau zu gehen und an die Menschen zu denken, die die Enge der vollbesetzten Räume, die schlechte Atemluft in Verbindung mit der Hitze und die Angst durchlebten und doch das Glück hatten, in den Bunkern einen Platz gefunden zu haben. Und die nicht wussten was sie nach dem Verlassen des Schutzraumes draußen erwartete.


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Der Luftschutzbunker befindet sich unweit des alten Opel- Hauptportals in der Nähe des Bahnhofs

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