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Gedenkstele "Euthanasie"-Opfer im Kreis Groß-Gerau
- Menschen ihre Namen zurückgeben -

Wohin bringt ihr uns?

Am 15. November 2013 wurde im Foyer des Landratsamtes in Groß-Gerau ein Denkmal enthüllt, das an die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten psychisch kranken und körperlich behinderten Menschen aus dem Kreis Groß-Gerau erinnert.

Wie Landrat Thomas Will in seiner Rede ausführte, werden seit einigen Jahren im Kreis Groß-Gerau von vielen Städten und Gemeinden, von Schulen und Initiativen wichtige Aspekte der lokalen Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet. Das grauenhafte Schicksal der psychisch kranken und behinderten Bürgerinnen und Bürger im Faschismus macht hier eine bedauerliche Ausnahme.
Auf Vorschlag von Lutz Bauer, dem ehemaligen Direktor des Landeswohlfahrtsverbandes und ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter, hat sich der Kreistag des Kreises Groß-Gerau mit diesem Thema befasst und beschlossen, dieser Menschen auf angemessene und würdevolle Weise zu gedenken und die Mittel im Kreishaushalt bereit zu stellen.

Die über drei Meter hohe Säulenvitrine wurde von dem Künstler Horst Hoheisel entworfen und realisiert. Die in der Stele liegenden Aktenordner symbolisieren das mörderisch-bürokratische Verwaltungshandeln im Nationalsozialismus.
Die vier Glasseiten sind mit den Namenslisten der Opfer, einzelnen Portraits, und Dokumenten wie Meldebögen und amtlichen Verwaltungsschreiben transparent bedruckt. In der Vitrine ist eine Säule aus leeren Aktenordnern gestapelt. Öffnet man die Tür der Vitrine, fallen einem die leeren Ordner auf die Füße.

In Augenhöhe schiebt sich ein Leerraum in die instabile Aktenordner-Säule. Dort liegt ein von der Groß-Gerauer Künstlerin (dipl.-Art) Tanja Leonhardt gestaltetes wertvolles Gedenkbuch, das die Namen der 84 Ermordeten nicht als Liste sondern auf jeweils einer Seite in würdiger Form benennt.

Der Gedenkort soll einen Beitrag dazu leisten, jene Menschen aus der Anonymität zu holen, die im Zuge der zynisch "Euthanasie" genannten Mordaktionen ihr Leben ließen. Es war und ist das Ziel, den Toten ihre Namen, ihre Identität und ihre Würde zurück zu geben und zu mahnen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.


Die Historikerin Heidemarie Seidl führte Namensrecherchen durch und stellte Hintergrundinformationen über die grausamen Massenmorde zusammen.
Das Projekt wird von einer
Broschüre
mit Hintergrundinformationen begleitet.
Herausgeber:
Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau, Kreisvolkshochschule, Hauptstraße 1 ( Schloss Dornberg), 64521 Groß-Gerau



Memorial stele for 'Euthanasia' victims from the Gross Gerau region.
Horst Hoheisel created a three metre high glass cubicle that stands in the entrance hall of the Gross Gerau Local Government Office, Wilhelm-Seipp-Straße 4.
Printed on the four glass panels are transparent list of names, individual portraits and documents such as registration cards and bureaucratic documents. Inside the glass cubicle are empty files that form a column. If the cubicle is opened the files fall on one's feet.
At about head's height an empty space interrupts the column of files. In it is a valuable memorial book designed by the artist (dipl.-Art) Tanja Leonhardt that honours each listed victim on an individual page. Historian Heidemarie Seidel was responsible for the academic supervision of the project.
The memorial stele was inaugurated on November 15th, 2013.
(Horst Hoheisel)


"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"
Den Toten zum Gedächtnis,
den Lebenden zur Mahnung,
damit, was hier geschah,
sich nicht wiederhole.


 
Tanja Leonhardt Dr. Horst Hoheisel

Foto 1 *)
"Wohin bringt ihr uns?" ist die Frage eines der Opfer beim Einstieg in den grauen Bus, der die Kranken zu den Gaskammern fuhr.
Das Titelschild ist aus einer Original-Taufurkunde von 1904 geschnitten.  (kein Artefakt aus dem Projektdatenbestand sondern aus der Privatsammlung von Tanja Leonhardt). Auf der Rückseite ist noch der Frakturschriftzug zu erahnen "Die Taufe". Auch auf solchen Blättern standen einst die Namen aller Ermordeten.

Foto 2
15.11.2013 Gedenkstunde anlässlich der Enthüllung der Stele im Foyer des Landratsamtes in Groß-Gerau

Foto 3
Erläuterungen durch Dr. Horst Hoheisel an der über drei Meter hohen Glasvitrine.

Foto 4
v.l.n.r.: Tanja Leonhardt, Künstlerin; Dr. Horst Hoheisel, Künstler; Heinrich Krobbach, Leiter der Kreisvolkshochschule und Heidemarie Seidl, Historikerin.

Foto 5 *)
Gedenkbuch
Die dünne Pongé-Seide wurde zuvor im unteren Bereich grau gefärbt. Man mag in den Strukturen Vegetabiles sehen oder sich an Rauch erinnert fühlen.
Im Gegensatz zu den Aktenordnern ist die Oberfläche des Gedenkbuches unsicher. Da die Seide nicht festgezurrt und -geleimt ist, sondern nur an den inneren Rändern (im Vorsatz) und den Buchschrauben fest mit dem Deckel verbunden ist, wirkt sie lose, flatternd. Nimmt man das Buch in die Hand, hat man keinen festen Halt sondern eine Unsicherheit im Greifen. Die lose Seide erlaubt nur ein vorsichtiges, tastendes Greifen. Das liegende Buch vermittelt Zartheit und Verletzlichkeit, die einen Zugriff fragwürdig und bedenkenswert erscheinen lassen. Man kann sich ihm nur mit Vorsicht nähern.
Fällt das Sonnenlicht am Vormittag auf die Seide, leuchtet, ja gleißt das Buch.
Breite: 23 cm, Höhe: 23 cm, 100 Seiten aus "Masa" Japanpapier, 5-teilige Decke, Buchschraubenheftung, Einband: Leinen / Seide, Handschrift

Foto 6 *)
Im oberen und unteren Bereich der Stele liegen leere Aktendeckel, analog zu jenen, in welche die nüchternen Akten und Todesbefehle  der Opfer geordnet wurden.

Foto 7
Tanja Leonhardt (dipl.-Art)
Atelier Leonhardt

Foto 8
Dr. Horst Hoheisel Hoheisel&Knitz

*) Die Fotos 1, 5 und 6 einschließlich der Erklärungen wurden freundlicherweise von Tanja Leonhardt zur Verfügung gestellt.

 

Deutschland
Hessen
Groß-Gerau

Gedenkort "Euthanasie"-Opfer
im Kreis Groß-Gerau

Landratsamt
64521 Groß-Gerau
Wilh.-Seipp-Straße 4


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