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Lynchmorde Rüsselsheim 1944

Am 26. August 1944 wurden in Rüsselsheim 1944 sechs amerikanische Kriegsgefangene gelyncht Zwei entkamen dem Massaker.

Vorgeschichte

Donnerstag, 24. August 1944
An diesem Tag starteten über 2000 Flugzeuge (485 B-24s, 834 B-17s, und 739 Fighters) in England, um ein Gebiet nördlich von Hannover zu bombardieren. Darunter war auch ein viermotoriger B-24 Liberator-Bomber der United States Army Air Forces (USAAF) mit der Aufschrift "Wham! Bam! Thank you, Ma'm", der in North Pickenham (England) zu dem Tagesangriff startete.

Besatzung:
2nd Lt. Norman J. Rogers Jr., Pilot
2nd Lt. John N. Sekul, Co-Pilot
S/Sgt. Thomas D. Williams, Radio Operator
Sgt. William A. Dumont, Belly/Gun
Sgt. Elmore L. Austin, Left/Waist Gun
Sgt. William M. Adams, Nose/Gun
Sgt. Sidney E. Brown, Tail/Gun
S/Sgt. Forest W. Brininstool, Flt. Eng.
Flight Officer Haigus Tufenkjia, Nav. Bombardier

Nach dem Abwurf der Bomben wurde die Maschine durch Beschuss der Flugabwehr mehrfach getroffen (Hydraulik, Motoren) und manövrierunfähig. Vor dem Absturz sprang die Besatzung mit Fallschirmen ab und landete in der Nähe eines Bauernhofes.

Brininstool war durch ein Schrapnell verwundet. Er erhielt von zwei Bewohnern des Bauernhofes eine Erstversorgung. Anschließend wurde er in ein Lazarett in der Nähe von Münster verlegt, operiert und zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Durchgangslager für Kriegsgefangene in der Nähe von Frankfurt (vermutlich in Oberursel), Dulag Luft by the POWs) transportiert.

Der übrige Besatzung, einschließlich der an den Knöcheln verletzten Dumont und Rogers, wurde gefangen genommen und sollten per Bahn nach Oberursel, bewacht von zwei Soldaten der deutschen Wehrmacht, gebracht werden. Der Zug erreichte am 26. August Rüsselsheim. Da die Gleisanlagen in Rüsselsheim durch Bomben zerstört waren, mussten die Kriegsgefangenen gegen 8 Uhr den Zug verlassen und sollten nach Überwindung der zerstörten Anlagen und einem Marsch quer durch das durch Bomben stark beschädigte Rüsselsheim, am anderen Ende wieder einen Zug besteigen.

Samstag, 26. August 1944
Um 00.52 Uhr begann ein Bombenangriff der britischen Royal Air Force (RAF) auf die Opel-Werke in Rüsselsheim. Hier wurden, neben dem "Opel Blitz", einem Lkw für die deutsche Wehrmacht, auch Teile für Torpedos, Raketen und Militärflugzeuge produziert.
Der Angriff dauerte 59 Minuten. 21 von 674 Bomben trafen das Opel-Werk, der Rest zerstörte große Gebiete der Stadt und Teile des Umlands.
198 Menschen starben, 177 waren Zwangsarbeiter, deren Unterkünfte (Baracken) getroffen wurden. Die Zwangsarbeiter, die im Opel-Werk eingesetzt waren, durften die beiden im Opel-Werk stehenden Luftschutzbunker nicht betreten (siehe Bunker Rüsselsheim)
Es war der längste Angriff mit den größten Zerstörungen, den die Bevölkerung von Rüsselsheim bis dahin erlebte. Sie verbrachte die meiste Zeit dieser Nacht in den Bunkern oder war mit dem Löschen von Bränden beschäftigt.

Die Tat
In dieser aufgeheizten Stimmung wurden am 26. August 1944, zwischen 9 und 10 Uhr, die acht unbewaffneten amerikanischen Flieger als Kriegsgefangene, bewacht von zwei deutschen Soldaten, durch Rüsselsheim geführt.
Als die Gruppe die Frankfurter Straße passierte, trafen sie auf Käthe Reinhardt, ihre Schwester Margarete Witzler und deren Tochter Lilo. Diese schrien: "Schlagt sie in Stücke. Schlagt sie tot. Das sind die, die letzte Nacht hier waren. Das sind die Terroristen der letzten Nacht. Killt die Hunde. Wir können mit denen kein Mitleid haben." Sie folgten der Gruppe schreiend entlang der Frankfurter Straße. Frau Reinhardt nahm einen Ziegelstein von den Trümmern und schlug diesen auf den Kopf eines Gefangenen. Außerdem schlug sie ihn mit der Faust. Frau Witzler warf ebenfalls einen Ziegelstein auf die Gefangenen.

Anwesend war auch Joseph Hartgen, NSDAP-Ortsgruppenleiter (Party officiell and Propaganda Chief of Rüsselsheim). Die Gruppe, die später auf 20 bis 200 Personen anwuchs, folgte den Gefangenen.

Philipp Gutlich, der sich ebenfalls in der Menge aufhielt, schlug mit einem Knüppel, den er mit beiden Händen hielt, mehrfach auf die Gefangenen ein. Viele der Gefangenen bluteten und hinkten. Einer davon, der eine Beinverletzung hatte, wurde von einem anderen auf dem Rücken getragen. Die Menge war wütend und die Gefangenen gingen schnell die Frankfurter Straße hinunter und bogen nach rechts in die Taunusstraße in Richtung Grabenstarße ein.

Phillipp Gutlich schrie: "Schlagt sie in Stücke". George Daum, der auf der Rückseite seines Hauses in der Taunusstraße Trümmer schaufelte, rannte auf die Straße und schlug mit seiner Schaufel auf die Gefangenen ein. Johannes Opper schlug mit einem Besen mehrfach zu. Joseph Hartgen schlug wie wild mit einem Knüppel auf die Flieger ein. Johannes Seipel trat einem schon Verletzten, der auf der Straße saß, in den Nacken und gegen das Kinn. Die Flieger gingen die Grabenstraße weiter entlang in Richtung Bahnhofstraße. Sie überquerten die Grabenstraße und gingen entlang der Mauer, die die Grabenstraße von den Schienen trennte. Die Menge war ihnen gefolgt und kreiste sie ein. August Wolf und Karl Fugmann warfen mit Steinen. Wolf attackierte mit einem Hammer, traf aber nicht. Friedrich Wust lehnte sich über die Mauer, schlug auf einen der Gefangenen ein, stieg anschließend über die Mauer, ging mit einem Stück Holz in die Grabenstraße und schlug mit großer Gewalt zu. Nachdem die Flieger Geiersbuhl (Im Geiersbühl) passiert hatten, kollabierten zwei Gefangene und blieben auf der Straße in der Nähe der Mauer liegen. Zwei weitere gingen weiter und fielen ebenfalls auf die Straße. Sie klammerten sich gegenseitig fest, um sich zu schützen. Wust begann mit einem Hammer auf sie einzuschlagen. Opper stachelte die Menge weiter auf und schlug selbst auf die Gefangenen ein. Hartgen schlug ebenfalls wiederholt zu und schoss auf die Wehrlosen und Verletzten, die zu diesem Zeitpunkt an der Mauer lagen. Einige waren tot oder schwer verwundet.

Die begleitenden Soldaten der deutschen Wehrmacht machten zu keinem Zeitpunkt den Versuch, einzugreifen und den Mob und somit auch das Massaker aufzuhalten.

Zwischen 11 und 12 Uhr wurden die Körper von Angehörigen der Hitlerjugend auf einen Bauernwagen übereinander geschichtet und zum Friedhof gefahren. Einige lebten noch. Ein Mann sprang mit einem Knüppel in der Hand auf den Wagen und versetzte denen, die noch Lebenszeichen von sich gaben, Schläge auf den Kopf. Sein Tun wurde durch einen Fliegeralarm unterbrochen. Die Person flüchtete, vermutlich in einen der Bunker auf dem Opel-Gelände.

Als der Wagen unbeaufsichtigt auf dem Friedhof stand, krochen zwei Überlende, Sidney Brown und Bill Adams, unter den Leichen hervor und flüchteten. Sie gerieten vier Tage später erneut in Kriegsgefangenschaft und überlebten.

Am Montag den 28. August 1944 wurden die sechs ermordeten Amerikaner durch russische Kriegsgefangene in einem Gemeinschaftsgrab im östlichen Teil des Friedhofs beerdigt.


"Legalisierte" Lynchmorde
In einem Rundschreiben des Leiters der NSDAP-Parteikanzlei, Martin Bormann vom 30.5.1944 erteilten offizielle deutsche Stellen indirekt die Erlaubnis zu Angriffen auf abgeschossene alliierte Flugzeugbesatzungen.
(... Mehrfach ist es vorgekommen, daß abgesprungene oder notgelandete Besatzungsmitgieder ... an Ort und Stelle gelyncht wurden. Von polizeilicher oder strafrechtlicher Verfolgung der dabei beteiligten Volksgenossen wurde abgesehen.")

März 1945
Am 25. März besetzen US-amerikanische Truppen der 3. Army Rüsselsheim. Zwangsarbeiter oder ehemalige Kriegsgefangene informierten amerikanische Offiziere über ein Massaker an acht britischen Soldaten, die auf dem Waldfriedhof begraben wurden.

Exhumierung
Am 28. Juni 1945 wurden die sechs Soldaten exhumiert. Vier davon wurden anhand der Erkennungsmarken (dog-tags) identifiziert. Es handelte sich um John N. Sekul, Thomas D. Williams, William A. Dumont und Elmore L. Austin. Alle Körper, außer einem, hatten Schädelfrakturen. Der Mann, der keine Schädelfraktur hatte, wies zwei Schusslöcher im Kopf auf. Zwei weitere wiesen ebenfalls Schussverletzungen am Schädel auf. Keine anderen Knochen waren gebrochen.

Beisetzung
Austin, Dumont und Sekul wurden in den USA in ihren Heimatstädten während die Leichen von Rogers, Williams und Tufenkjian in Frankreich beigesetzt wurden.

Anklage und Prozess
Im Juni 1945 wurde innerhalb der amerikanischen Armee eine Abteilung für Kriegsverbrechen gegründet. Der Lynchmord in Rüsselsheim war der erste Fall, bei dem deutsche Zivilisten vor Gericht gestellt wurden.

Am 25. Juli 1945 wurde folgende Anklage gegen die Täter verlesen: "Diese deutschen Zivilpersonen haben einen Mord begangen, indem sie gemeinschaftlich handelnd, zusammen mit noch anderen, namentlich nicht bekannten Personen, am oder um den 26. August 1944 in Rüsselsheim, Deutschland, absichtlich, vorsätzlich und widerrechtlich an der Tötung der als Kriegsgefangene in Haft des damaligen Deutschen Reiches befindlichen Angehörigen der Armee der Vereinigten Staaten, von denen jeder zu dieser Zeit unbewaffnet war, teilnahmen, dazu anstifteten und dazu Beihilfe leisteten."

Urteile

Nazi Crimes on Trial
'Dachau Trials'
Trials by U.S. Army Courts in Europe 1945 - 1948
File Number: US110
Review Date: 450823
Case Number: 12-1497 (US vs. Josef Hartgen et al)
Crime Category: War Crimes

Accused:
Barthel, Heinrich - 15 Years
Daum, Georg - 25 Years
Fugmann, Karl - Acquittal
Gutlich, Philipp - Death Sentence
Hartgen, Josef - Death Sentence
Opper, Johann - Death Sentence
Reinhardt, Kaethe - Death Sentence (Revision: 30 Jahre)
Seipel, Johannes - Death Sentence
Witzel, Margarete - Death Sentence (Revision: 30 Jahre)
Wolf, August - 15 Years
Wust, Friedrich - Death Sentence

Court: Military Commission at Darmstadt, Germany 450725
Country where the crime had been committed: Germany
Crime Location: Russelsheim
Crime Date: 440826
Victim: POW's
Nationality: American
Agency: Civilians

Subject of the proceeding: In retaliation of a heavy air raid on Russelsheim that destroyed many civilian homes, an angry mob formed and chased and killed six captured American airmen, who were led through the town, by beating them to death with bricks, hammers, sticks and other objects.

Revisionen
Eine Revision am 23. August 1945 lehnte die Gnadengesuche der Familien der Verurteilten ab und empfahl, alle Strafen zu vollstrecken.
In einer weiteren Revision am 29. September 1945 wurden die Strafen für die zwei zum Tod durch Hängen verurteilten Frauen auf dreißig Jahre Gefängnis gemindert.

Nach dem Prozess wurde entdeckt, dass zwei Flieger die Lynchjustiz überlebt hatten und zwischen den Leichen ihrer Kameraden aus dem Karren herausgekrochen waren. Es war ihnen gelungen, vier Tage lang unentdeckt zu bleiben, bevor sie gefangen genommen und in ein Kriegsgefangenenlager geschickt wurden.

Weitere Urteile
Außerdem wurden zwei weitere Deutsche identifiziert und für dieselben Verbrechen vor Gericht gestellt. Der eine war der Mann, der auf den Karren gestiegen war und auf die noch lebenden Flieger eingeschlagen hatte. Er wurde als schuldig befunden und gehängt. Der andere war ein Soldat der Wehrmacht, der an den brutalen Schlägen in der Grabenstraße beteiligt gewesen war. Auch er wurde für schuldig befunden und zum Tod durch Hängen verurteilt. In der zweiten Revision des Prozesses wurde der Schuldspruch wegen eines Formfehlers zurückgenommen, weil das Gericht in der Anklage die Worte "in Rüsselsheim, Deutschland" ausgelassen hatte.

Die zu unterschiedlich langer Zwangsarbeit Verurteilten wurden in den fünfziger Jahren aus der Haft entlassen und kehrten nach Rüsselsheim zurück.


B-24
B-24 mit dem Überlebenden  Sidney E. Brown (2. v.r.)
Exhumierung
Hinrichtung Josef Hartgen, who killed four of the B-24 crewmen, awaits his execution. National Archives
Mahnmal
Die acht Kriegsgefangenen
Inschrift deutsch


Inschrift englisch

2nd Lt. Norman J. Rogers Jr., Pilot
2nd Lt. Norman J. Rogers Jr., Pilot
- ermordet -

2nd Lt. John N. Sekul, Co-Pilot
2nd Lt. John N. Sekul, Co-Pilot
- ermordet -
S/Sgt. Thomas D. Williams, Radio Operator
S/Sgt. Thomas D. Williams, Radio Operator - ermordet -

Sgt. William A. Dumont, Belly/Gun
Sgt. William A. Dumont, Belly/Gun
- ermordet-
Sgt. Elmore L. Austin, Left/Waist Gun
Sgt. Elmore L. Austin, Left/Waist Gun
- ermordet -



Flight Officer Haigus Tufenkjia, Nav. Bombardier -ermordet-

Sgt. Sidney E. Brown, Tail/Gun
Sgt. Sidney E. Brown, Tail/Gun
- überlebte -
und besuchte 2001
und 2004 Rüsselsheim


Sgt. William M. Adams, Nose/Gun
- überlebte -


Vergessen und Aufbereitung
Nach den Urteilen verschwand das Thema aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Das "Vergessen" hatte begonnen.

1988 suchte der amerikanische Professor Augusto Nigro Stoff für einen Roman. Bei seiner Recherchereise stieß er auf die Spur der Ereignisse vom August 1944. Einige Rüsselsheimer begannen sich wieder mit der Geschichte zu beschäftigen.


Der Maler Hans Diebschlag, der seine Kindheit und Jugend in Rüsselsheim verbrachte, schuf im Jahr 1992 in seinem "Rüsselsheim Zyklus" auch das Bild "Wir lieben das Marschieren", ein großformatiges Ölgemälde, das an den Todesmarsch erinnerte und die Gemüter in Rüsselsheim bewegte. Die im Ratssaal im (alten) Rathaus aufgehängte Auftragsarbeit sorgte für einen Diskurs sowohl um die Freiheit der Kunst als auch um Möglichkeiten der Bewältigung der Vergangenheit in Trauer.
Die FAZ beschrieb seinerzeit das Gemälde: „Es zeigt marschierende Karnevalisten in Uniform auf einer der Rüsselsheimer Straßen, wo die amerikanischen Soldaten mißhandelt worden waren. Unter dem Asphalt der Straßen sieht man schemenhaft liegende Körper, aber auch Wehrmacntsoldaten und einen Mann mit einem Zeichen, das einem Davidstern ähnelt".

1995 ließ Oberbürgermeisterin Otti Geschka das Bild abnehmen. Danach begann eine breite öffentliche Debatte auch um das Thema wie die Bürgerschaft mit den Ereignissen aus dem Nationalsozialismus umgehen sollte.
Die Initiative „26. August 1944“, zu deren Akteuren insbesondere Dagmar Eichhorn zählt, dokumentierte die Auseinandersetzung und förderte Dialog und Versöhnung, die Trauerarbeit und die Aufklärung, die in öffentlichen Dialogen, Gedenkveranstaltungen und schließlich dem Mahnmal für die Ermordeten mündeten.

Im August 2001, 57 Jahre nach dem Massaker, war auf Einladung der Stadt Rüsselsheim Sidney E. Brown, einer der Überlebenden, aus Anlass der Veranstaltung "Erinnerungen an die Schatten der Vergangenheit - ein Rüsselsheimer Dialog zur Versöhnung" wieder in Rüsselsheim.
Zusammen mit dem Bruder eines der getöteten Flieger nahm er an einem Gottesdienst und einem offiziellen Empfang teil.
Der damalige Oberbürgermeister Stefan Gieltowsk sagte anschließend: "Sidney Browns Bereitschaft, sich der tragischen Ereignisse am Ort des Geschehens zu erinnern, ist eine herausragende und großherzige Geste des Verstehens, des Verzeihens und der Versöhnung".

Darstellung der Lynchmorde im Stadt- und Industriemuseum Stadt- und Industriemuseum
In der Abteilung "Zweiter Weltkrieg" sind die Lynchmorde ebenfalls thematisiert und mit rekonstruierten Dokumenten, Plänen und Fotos belegt.
Stadt- und Industriemuseum

Mahnmal
An der Stelle des Lynchmordes, Ecke Taunusstraße / Grabenstraße wurde am 31. August 2004 als Mahnmal eine vier Meter breite Klinkermauer eingeweiht. Eingearbeitet sind vier Steine der Backsteinmauer von 1944, die 1986 wegen der Verbreiterung der Grabenstraße abgerissen wurde. Der Journalist Gerhard Röder hatte diese aufbewahrt und für das Mahnmal zur Verfügung gestellt.
Auf der Rückseite sind die Porträts der Opfer eingefräst, an jeder Schmalseiten ist eine Inschrift angebracht.

Den Text verfasste ein Priester der anglikanischen Kirche, der in England lebt:

"Hier wurden am 26. August 1944 nach einem britischen Luftangriff auf Rüsselsheim acht amerikanische Flieger auf ihrem Weg in die Gefangenschaft von einer aufgebrachten Menge gejagt und gelyncht. Elmor L. Austin, William Dumont, Norman Rogers, John Sekul, Haigus Tufenkjian und Thomas D. Williams wurden ermordet. William Adams und Eugene S. Brown überlebten. Möge uns dieser Ort des Erinnerns zur Menschlichkeit mahnen."

"At this spot, on August 1944, following a British air-raid on Rüsselsheim, eight American airmen on their way to an emprisoment were driven and lynched by an enraged mob.
Elmor L. Austin, William Dumont, Norman Rogers, John Sekul, Haigus Tufenkjian und Thomas D. Williams wurden ermordet. William Adams und Eugene S. Brown überlebten. Möge uns dieser Ort des Erinnerns zur Menschlichkeit mahnen."

Die Einweihung des Mahnmals erfolgte in Anwesenheit von Sidney E. Brown, der das Massaker überlebt hatte. Er starb am 10. April 2009 in Gainesville / USA.
Über William M. Adams ist nur bekannt, dass er nach seiner Kriegsgefangenschaft wieder in die USA zurückkehrte.


Gedenken

Di., 26. August 2014
Gedenkveranstaltung
16.45 Uhr:
Gemeinsamer Gang von der Stadtkirche zum Mahnmal
17.15 Uhr:
Kranzniederlegung und Ansprache
von Oberbürgermeister Patrick Burghardt 17.30 Uhr:
Erinnerndes Gedenken im Haus der Kirche „Katharina von Bora“ am Gemeindeplatz unter Mitwirkung des Ausländerbeirates. Dekan Kurt Hohmann und Musa Cakilli von der Ditib-Moschee werden aus unterschiedlichen Perspektiven an den Lynchmord und die Kriegsopfer Rüsselsheims erinnern.
18 Uhr:
Bürgermeister Dennis Grieser begrüßt zum Vortrag „Spontaner Volkszorn?“ in der Rotunde des Rathauses, Eingang Faulbruchstraße.
Dr. Jens Scholten, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadt- und Industriemuseums wird danach in seinem Vortrag die Fliegermorde aus der Sicht historischer Forschung thematisieren.
19 Uhr:
Oberbürgermeister Patrick Burghardt gibt einen Ausblick auf zukünftige Vorhaben zur Erinnerungskultur.

An der Veranstaltung nahmen etwa 50 Personen teil.
Fotostrecke


Quellen:
Review of the Staff Advocate (PDF 2,1MB) Headquarters Seventh Army
- U.S. Army Signal Corps
- Stadt Rüsselsheim (Pressestelle)
Stadt- und Industriemuseum


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