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Mönchhofkapelle

Lage
Die Mönchhofkapelle mit dem kleinen Friedhof liegt versteckt unter Bäumen, etwa 2,5 Kilometer nordöstlich von Raunheim und etwa 200 Meter vom Mainufer entfernt.

Areal
Das 84 Hektar große Areal auf dem sich die Kapelle mit dem Friedhof befindet, gehört seit 2004 dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, der Fraport AG.

Seit 1963 war das Mönchhof-Gelände Standort der Caltex-Raffinerie. Deren Betreiber war bis zur Stilllegung 1985 die US-amerikanische Mineralölgesellschaft Chevron, die Produkte wurden an Tankstellen der Marken Texaco und DEA verkauft.
Auf der Industriebrache entsteht ein Güterverteil- und Dienstleistungszentrum. Die Vollvermarktung soll bis 2016/2017 erreicht sein, bis zu 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Kapelle
Die kleine unter Denkmalschutz stehende Kapelle, ein Barockbau schiefergedecktem Dach, wurde renoviert und der von einer kleinen Mauer umgrenzte Friedhof bleibt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten 2008 fanden sich elf an die Innenwände gemalten Weihekreuze, die vermutlich aus dem späten 17. Jahrhundert stammen.

Geschichte
Die Geschichte der kleinen Kirche geht vermutlich bis ins 5. Jahrhundert zurück. Sie gehörte ursprünglich zum Mönchhof, einem Vorwerk eines kleinen Mönchsklosters in der heutigen Stadt Raunheim ("Reuenheim" "Hreuwunheim"). Der Name Mönchhof ist wahrscheinlich eine alte Reminiszenz auf das St. Pirmin-Kloster in  Hornbach in der Pfalz, zu dem der Mönchhof und auch das Raunheimer Klösterlein einst gehörten (nach Prof. Dr. E. E. Metzner).

1118 wird ein Wüsteneddersheim (auch Mönchhof genannt) mit einer Kapelle, die nach Raunheim gehört, urkundlich erwähnt (s. "Geschichte von Eddersheim" Hrsg. Pfarrer Bruno, 1965).

Am 18. Dezember 1290 erwarb das Reichklarakloster in Mainz für 500 Mark von Gottfried zu Eppstein das Gut Mönchhof. Der Verkaufsvertrag ist die urkundliche Ersterwähnung des Mönchhofs.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurden 1622 der Mönchhof und die Mönchhofkapelle durch einen Brand zerstört.
Ab 1684 erfolgte der Wiederaufbau des Klosterguts und der Klosterkapelle.

Die Weihe wurde am 3. August 1687 zu Ehren von Antonius von Padua, Hlg. Clara Maria und aller Heiligen durchgeführt.

1803 wurde im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses
der Mönchhof und die Kapelle Hessen zugeschlagen und der Forst- und Domänenverwaltung unterstellt.
Das 1806 entstandene landwirtschaftlich, großherzoglich hessische Staatsgut (Staatsdomäne) gehört zur Gemarkung Kelsterbach.

1828 erfolgt als besondere Gemarkung die Ausgliederung aus Kelsterbach. Erst 1952 wird der Mönchhof in die Gemarkung Raunheim eingegliedert.

Um 1830 wurden in der Kapelle noch Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen zelebriert, regelmäßige Gottesdienste fanden aber nicht mehr statt. Gelegentlich diente die Kapelle auch als Schafstall oder wurde zum Wäschetrocknen missbraucht. 1874 wurden liturgische Gegenstände und Gemälde entfernt und in das Museum nach Darmstadt transportiert.
Eine Profanierung (Entweihung) wurde nicht durchgeführt.

1916 wird der Barockaltar, der vermutlich aus dem 1781 aufgelösten Karthäuserkloster Mainz stammt, in das Hessische Landesmuseum in Darmstadt gebracht.

Nach dem Verkauf des Geländes (1961) wurden die Gebäude der ehemaligen Staatsdomäne abgerissen. Lediglich die kleine Kirche und der Friedhof, auf dem 1960 die letzte Beerdigung stattgefunden hatte, blieben erhalten.

Unbekannte verwüsteten 1973 das Innere der Kapelle. Daraufhin wurde die 35 Kilogramm schwere Glocke, die 1769 in der Werkstatt von Johann Martin Roth in Mainz gegossen wurde, der Beichtstuhl und einige Sitzbänke von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ins Heimatmuseum Raunheim evakuiert.

Am Pfingstmontag des Jahres 2000
wurde von Pfarrer Joachim W. Bremer von der St. Martinsgemeinde Kelsterbach wieder der erste Gottesdienst in der Mönchhofkapelle gehalten. Nachfolgend wurde an jedem Pfingstmontag ein Gottesdienst dort gefeiert. Die Mönchhofkapelle war damals noch nicht renoviert und man musste die Kapelle immer vorher reinigen und provisorisch mit Festzeltgarnituren bestuhlen.
Die Gottesdienste wurden von Gemeindegliedern aus Kelsterbach und Raunheim besucht.

2001 wird in Raunheim der "Förderverein Mönchhofkapelle" gegründet. Ziel ist es, die älteste Kirche Raunheims und den kleinen Friedhof zu erhalten.

2004 übernimmt die Fraport AG (Betreiberin des Flughafens Frankfurt) das Gelände.

Ab Sommer 2007 beginnt die zwischen dem Förderverein und der Fraport abgestimmte Renovierung, die im Sommer 2008 abgeschlossen werden konnte.
Neue Fenster wurden eingezogen, der Innen- und Außenputz neu angelegt, die begehbaren Empore wieder hergerichtet. Auf Betreiben des Fördervereins Mönchhofkapelle wird ein Stromanschluss bis unters Gebälk der Kapelle gelegt und die Glocke am 21. Juli 2010 wieder aufgehängt und mit einem funkgesteuerten Läutewerk versehen. Seitdem läutet die Glocke immer um 12 Uhr mittags. Die Wiederinstallation der Glocke, ein Altarparament, hergestellt in der Paramentenwerkstatt des Elisabethenstifts Darmstadt und ein neuer Wetterahn, installiert am 6. Juni 2011 unter Mithilfe der Feuerwehr Kelsterbach, wurden vom Förderverein Mönchhofkapelle getragen. Nach Angaben der Fraport kostete die Renovierung der Kapelle rund 280.000 Euro.

Der 1916 ins Landesmuseum Darmstadt verbrachte "Mönchhofaltar" wurde 2008 in der zum städtischen Altersheim Mainz gehörende Josefskapelle in der Hinteren Christofsgasse aufgestellt.

Am 2. Mai 2009 wurde in der renovierten Kapelle die erste Andacht durch die katholische Heilig-Geist Gemeinde Raunheim und am 16. Mai 2009 eine Andacht durch die Martin-Luther-Gemeinde Raunheim durchgeführt.


Weihekreuz
Friedhof

Wetterhahn
Kapelle, Eingang
Südseite
Friedhof
Altar mit Parament

Parament
Das Parament zeigt ein weißes Jerusalemkreuz (um ein zentrales großes Kreuz sind vier kleine Kreuze angeordnet) auf rotem Grund.
Es ist die symbolische Darstellung des himmlischen Jerusalems. Hierzu sind die Kreuze mit der "Stadtmauer" Jerusalems mit ihren 12 Toren umgeben. Jedes der Tore ist mit einer anderen Farbe umstickt. Die Farben entsprechen den Angaben des Buches der Offenbarung in der Bibel, dass die 12 Tore des himmlischen Jerusalems aus 12 farbigen Edelsteinen gefertigt sind (siehe auch Offenbarung Kapitel 21).
Die Farbe (rot) des Paraments verweist auf den Heiligen Geist, auf Feuer und Glauben, auf Gemeinde und auf die himmlische Vollendung der Christen aller Kirchen.
Das Motiv des Paraments findet sich auch auf der Altarplatte (zentrales Weihekreuz und die vier Apostelkreuze an den Ecken).
Das Parament wurde in der Textilwerkstatt am Elisabethenstift in Darmstadt nach einem Entwurf von Pfarrer Joachim W. Bremer angefertigt.

Pachtvertrag

2010 wurde zwischen der Fraport und den Städten Raunheim und Kelsterbach ein Pachtvertrag über die Nutzung der wieder öffentlich zugänglichen Kapelle abgeschlossen.

Nutzung
Neben Gottesdiensten wird die Kirche auch für kulturelle Zwecke wie Lesungen, Kleinkunst und kleinere Konzerte genutzt.

Trauungen
Weiterhin können standesamtliche Trauungen durchgeführt werden.
Standesamt Raunheim
Tel.: 06142/402-271
Standesamt Kelsterbach
Tel.: 06107/773-236


Traugottesdienste
Nachdem es schon mehrere standesamtliche Trauungen in der Mönchhofkapelle gegeben hat, wurde am 29. Oktober 2011 der erste Traugottesdienst der "Neuzeit" in der Kapelle gefeiert.

Gottesdienste
Jeweils am ersten und dritten Sonntag sowie am Pfingstsonntag finden in der Mönchhofkapelle Gottesdienste statt.
Dabei wechseln sich die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Raunheim, Kelsterbach und Haßloch ab.

Anfahrt
Bundesstraße 43 zwischen Kelsterbach und Raunheim. Durch das Industriegebiet über die Mönchhofallee in Richtung Main (Zufahrt zur Eddersheimer Schleuse) fahren.
Im Industriegebiet ist die Mönchhofkapelle ausgeschildert.

(Quellen: Fritz Radlinger, Raunheim;
Prof. Dr. E. E. Metzner, Rüsselsheim
Literatur, A. Thiel Mönchhofgeschichte, Pfarrer Bruno: "Eddersheimer Heimatbuch" von 1962; Dokumentation Dr. Fritzsche, Pfarrer Joachim W. Bremer)



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Wir danken
dem ehemaligen Pfarrer Joachim W. Bremer, der den Entwurf für das Parament fertigte und Herrn Fritz Radlinger aus Raunheim für die Unterstützung und für die historischen Fotos und Pläne, die in der
#Fotostrecke
zu sehen sind.

Förderverein Mönchhofkapelle
65479 Raunheim
Tel.: 06142/42496

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